
Bundesregierung bereitet sich auf eine mögliche Wiedereinführung der Wehrpflicht vor. Sollten sich nicht genügend Freiwillige für die Bundeswehr melden, könnte mit der Wehrpflicht auch ein neuer Zivildienst notwendig werden. Bundesfamilienministerin Karin Prien (CDU) will deshalb frühzeitig geeignete Strukturen für einen Ersatzdienst schaffen.
Mehrere Sozialverbände sehen die Pläne jedoch kritisch. Sie befürchten, dass ein staatlich finanzierter Zivildienst die bestehenden Freiwilligendienste schwächen könnte. Besonders das Freiwillige Soziale Jahr und der Bundesfreiwilligendienst dürften weder finanziell noch organisatorisch benachteiligt werden.
Die Präsidentin des Deutschen Caritasverbands, Eva Maria Welskop-Deffaa, rechnet außerdem nicht mit einer großen Zahl von Zivildienstleistenden. Ein neuer Zivildienst werde daher den bestehenden Personalmangel in Pflegeeinrichtungen und sozialen Organisationen kaum lösen können.
Die Caritas fordert, dass der Bund die Kosten des Zivildienstes vollständig übernimmt. Gleichzeitig sollten Zivildienstleistende keine höhere Vergütung erhalten als junge Menschen, die sich freiwillig engagieren. Andernfalls könnte eine Ungleichbehandlung zwischen verpflichtendem und freiwilligem Dienst entstehen.
Auch die Dauer des Zivildienstes wird diskutiert. Der Arbeiter-Samariter-Bund empfiehlt mindestens neun, besser zwölf Monate. Ein kürzerer Zeitraum reiche kaum aus, um die jungen Menschen gründlich einzuarbeiten und ihnen eine sinnvolle Qualifizierung zu ermöglichen.
Die Sozialverbände verlangen deshalb klare Regeln, eine ausreichende Finanzierung und eine gute pädagogische Begleitung. Ein neuer Zivildienst könne nur dann erfolgreich sein, wenn er sinnvoll organisiert werde und gleichzeitig die bestehenden Freiwilligendienste gestärkt würden.





